Werteorientierung statt verschärfter Ökonomisierung im Gesundheitswesen
Angesichts einer zunehmenden Ökonomisierung und Globalisierung braucht das Gesundheitswesen einen grundlegenden Wertewandel.

Statt einer ausschließlichen Fokussierung auf Kosten und Preise müssen Qualität und Sicherheit für die Patienten wieder im Vordergrund stehen. Das forderte Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf dem Deutschen Apothekertages in München. Die jüngsten Arzneimittelskandale – zum Beispiel die Valsartan-Rückrufe oder das Lunapharm-Versagen – seien Folgen dieser Ökonomisierung und hätten der Arzneimittelversorgung erheblichen Schaden zugefügt. Die allzu starke Fokussierung auf ökonomische Ziele im Gesundheitswesen müsse wieder durch Werte wie Verantwortung und Vertrauen ersetzt werden, sagte ABDA-Präsident Schmidt.

„Weltweit unbeschränkter Waren- und Kapitalverkehr ist auch im Gesundheitswesen zu einem politischen Fetisch geworden“, sagte Schmidt: „Und wer einfach nur die Frage stellt, welchem Ziel diese zweifellos wichtigen Freiheiten eigentlich dienen sollen, der wird von den Fetischisten gern als rückwärtsgewandter Protektionist verunglimpft. Dabei sind Waren- und Kapitalverkehrsfreiheit doch kein Selbstzweck. Dienen sollen sie der eigentlich wichtigen Freiheit der Menschen.“ Schmidt kritisierte weiter, „dass sich praktisch jeder volkswirtschaftlich gebildete Schreibtischstratege eingeladen fühlt, uns zu erklären, wie man das Arzneimittelversorgungssystem besser, effektiver und effizienter machen könnte.“ Die praktische Erfahrung hinter dem Handverkaufstisch mit den Patienten in der Apotheke fehle diesen Theoretikern jedoch. An Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gewandt sagte Schmidt: „Weisen Sie all jene Schreibtischstrategen, Ideologen und Erbsenzähler in die Schranken, die auf verantwortungslose Weise immer wieder zur Strukturzerstörung aufrufen. Wir brauchen keine ökonomistische Klugscheißerei, sondern klare und verlässliche Rahmenbedingungen.“ (abda)